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Wissenschaftsdebatte live macht Bürger zu Co-Forschern

Trotz großen Interesses an wissenschaftlichen Themen in der Bevölkerung: Wissenschaft und Forschungspolitik agieren über die Köpfe der Bürger hinweg. Die meisten Runden Tische und Bürgerdialoge kommen zu spät. Meist sind Entscheidungen schon gefallen. Sie sollen nachträglich Legitimation beschaffen. Die »Wissenschaftsdebatte« will dazu beitragen, dass Steuerzahler, Konsumenten, Wähler von Anfang an in technologisch-wissenschaftliche Entscheidungsprozesse einbezogen werden. In den Worten des Techniksoziologen Ortwin Renn, Vordenker einer partizipativen Wissenschaft: die »Abwehrbeteiligung« durch »inklusive, deliberative, kollaborative und konsultative Elemente« aufweichen.

Im Juli 2013 startete die »Wissenschaftsdebatte live« mit ihrer ersten Veranstaltung in München zum Thema »Demografie«. Es folgte Anfang 2014 eine Debatte in Wiesbaden zu Lärm, Lärmfolgen und Lärmvermeidung und – als ersten Schritt ins Ausland – eine Debatte in Kopenhagen zur Nanotechnologie im Sommer 2014. Ende 2014 wird sich die »Wissenschaftsdebatte live« des Themas »Energie« aus einer bisher wenig diskutierten Perspektive, der Wachstumsproblematik annehmen.

Das Format der »Wissenschaftsdebatte«, im Internet seit 2009 online, wurde in der Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik TELI e.V. entwickelt. Sie will den oft eindimensionalen Dialog-Veranstaltungen politischer und wissenschaftlicher Institutionen Polylog-Veranstaltungen entgegen setzen, die von den Wünschen, Problemen und Interessen der Menschen ausgehen. Nicht die zahlreichen Entwürfe aus der Innovationsspirale sollen debattiert werden, sondern wie Wissenschaft und Forschung zu einem qualitativ besseren Leben beitragen können und dafür die besten Lösungen finden: nicht im Sinne von Steigerung des Bruttosozialprodukts, sondern des Lebensnettoglücks.

Wissenschafts- und Technikjournalisten spielen hier als Moderatoren eine wichtige Rolle. Traditionell recherchieren sie, erklären Fakten, wählen aus, bewerten – und hinterfragen idealerweise auch tonangebende Positionen aus Politik und Wissenschaft. Sie geben damit ihrem Publikum möglichst unabhängige Leitlinien für eigene Entscheidungen. Mit der »Wissenschaftsdebatte« betreten sie nun auch als Mediatoren zwischen Wissenschaft, Politik und den Bürger*innen die öffentliche Bühne, als Anwälte der Zivilgesellschaft.

Dass der Wunsch der Öffentlichkeit, stärker in Entscheidungen über Wissenschaft und Forschung einbezogen zu werden, groß ist, untermauerte jüngst das »Wissensbarometer« von »Wissenschaft im Dialog« (WiD) in einer Umfrage. Die »Wissenschaftsdebatte« kommt diesem Wunsch nach, geht aber über die konventionellen Ansätze hinaus, bei denen es eher die Vertreter von Verbänden und Organisationen sind, die Debatten voran treiben und dabei ihre eigenen Interessen vertreten. Die TELI ist dagegen überzeugt, dass Wissenschafts- und Technikjournalisten, die auf Grund ihres Berufes zur Unabhängigkeit verpflichtet sind, die besseren Makler sind.

In den vergangenen 15 Monaten hat die TELI Wissenschaftsdebatte mehrere hundert Menschen live und Tausende virtuell in wissenschaftlich-technologische Schlüsselthemen unserer Zeit eingebunden – Ergebnisse:

Wenn Senioren demnächst nicht mehr in die Rente abgeschoben werden, sondern selber über ihre Lebensarbeitszeit und deren Dauer entscheiden dürfen, dann war die Wissenschaftsdebatte an dieser Weichenstellung mit beteiligt; weiterhin führte sie den Beweis, dass Lärm krank macht und forderte vom Staat, der Wirtschaft und Aufsichtsgremien ein Paket von Lärmschutzmaßnahmen ein; für die Nanotechnologie verlangt die »Copenhagen Declaration« nationale und EU-weite Info-Knotenpunkte, die Konsumenten lückenlos über Chancen und Risiken aufklären.

Das Format begreift sich letztlich auch als Teil und Fortsetzung einer kritischen Denkschule, die u.a. vom verstorbenen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher begründet wurde: vom Technologisch-Industriellen Komplex die »Kontrolle über unser Denken« zurück zu gewinnen und »die normative Kraft von Technologien zu regulieren«.

Die Protokolle und Statements aus den bisherigen Veranstaltungen der »Wissenschaftsdebatte live« und weitere Diskussionsstränge sind auf der Homepage veröffentlicht.

> zur Homepage »Wissenschaftsdebatte«



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Die »Wissenschaftsdebatte« ist ein ehrenamtlich betriebenes Projekt der Wissenschafts- und Technikjournalisten in der TELI e.V., initiiert von Hanns-J. Neubert und Wolfgang C. Goede. Einige Veranstaltungen der »Wissenschaftsdebatte live« werden finanziell unterstützt von der Philip-Morris-Stiftung.

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-- Wissenschaftsdebatte im Web http://www.wissenschaftsdebatte.de
-- Copenhagen Declaration http://www.eusja.org/kopenhagen-declaration
-- Kopenhagener Erklärung zur Nano-Technologie https://idw-online.de/de/news596168
-- ESOF 2014 Nano-Debatte Kopenhagen http://www.eusja.org/no-evidence-of-harm-evidence-of-no-harm
-- Goede, Wolfgang C.: Forschung, Technik und Zivilgesellschaft. In: Maecenata Institut, Opusculum Nr. 68 http://www.maecenata.eu/publikationen/reihe-opuscula
-- Goede Wolfgang C.: Schluss mit dem Dornröschenschlaf. Gastbeitrag in »Wissenschaft kommuniziert« http://wissenschaftkommuniziert.wordpress.com/2014/07/17/schluss-mit-dem-dornros...
-- idw PM: 1-Jahres-Bilanz-Wiss_Deb https://idw-online.de/de/news598142
-- Neubert, Hanns-J.: Wer nicht fragt bleibt dumm. Wirtschaftsjournalist http://www.wirtschaftsjournalist-online.de/wp-content/uploads/25_wissenschaftsde...
-- Wissenschaft in Dialog (WiD): Wissenschaftsbarometer http://www.wissenschaftsbarometer.de

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